Becker GmbH - Architekten und Ingenieure
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Wettbewerb Kindergarten Erika-Altenberge

03. Januar 2012



Artikel aus der Januar-Ausgabe des Emsblicks

Um den Neubau des Kindergartens in Haren-Erika gibt es weiterhin Dissonanzen.

Wie sich bereits bei der Vorstellung der Wettbewerbsergebnisse abzeichnete, trifft der Siegerentwurf der Architekten Hartig & Wömpner aus Münster nicht auf so einhellige Zustimmung wie das dem Urteil des Preisgerichtes nach zu erwarten gewesen war. Dieses hatte den Siegerentwurf mit einem einstimmigen Urteil auserkoren. Das Münsteraner Büro ist von der Stadt Haren bereits mit weiteren Planungen beauftragt.

Nach dem Protokoll des Preisgerichtes geht es dabei nicht nur um vertiefende Planungen sondern auch um Änderungen, die als Mangel angesehen wurden. „Die Krippe sollte einen eigenen Eingang erhalten, die Verkehrsflächen sind zu optimieren und der nach Norden hin gelegene Gruppenraum sollte hinsichtlich der Belichtung überarbeitet werden“ hatte seinerzeit das Preisgericht als Auflagen formuliert. Warum dieser Entwurf trotz der definierten Mängel mit dem 1. Platz versehen wurde, versteht – neben anderen – vor allem der Harener Architekt Christoph Becker vom Architekturbüro B. & C. Becker, Altenberge nicht.

In einem Gespräch mit dem Emsblick führt er noch weitere aus seiner Sicht gegebene Schwachpunkte an. Dabei verweist er auf die Aufgabenstellung in der Ausschreibung des Wettbewerbs. Dort war nicht nur ein „kompakter Baukörper“ gefordert, der dem Passivhausstandard entsprechen sollte. Es werde ein „qualitätvoller und nachhaltiger Entwurf erwartet in einer für den Ort und die Bauaufgabe angemessenen Art“. Dem „Aspekt der wirtschaftlichen Verwendung“ sei besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Insbesondere aber sei die Wirtschaftlichkeit ein entscheidendes Kriterium bei der Bewertung der Arbeiten. Das beziehe sich nicht nur auf die Baukosten sondern auch auf die Instandhaltungskosten und die Kosten für den laufenden Betrieb.

Mit diesem Entwurf konnte sich Architekt Christoph Becker nicht durchsetzen.

Das alles sieht Becker, dessen Entwurf das Preisgericht eine „Anerkennung“ verlieh, im favorisierten Entwurf nicht genügend umgesetzt. Anhand konkreter Zahlen listet Becker auf, dass sein Entwurf nicht nur in den Baukosten deutlich günstiger sei. Bei der Frage des „kompakten Neubaus“ sei der Münsteraner Architekt mit 5.150 cbm umbautem Raum um fast 24 % ungünstiger als sein eigener Entwurf mit 4.170 cbm. Das schlage sich direkt in den Baukosten nieder. Nach seinen Berechnungen anhand des Baukostenindex für Kindergärten würde der favorisierte Entwurf mindestens 1,93 Mio. Euro kosten, als Passivhaus sogar 2,09 Mio. Euro. Sein Entwurf sei für 1,6 Mio. Euro umzusetzen, als Passivhaus für 1,737 Mio. Euro. Das seien nicht nur mindestens 330.000 Euro weniger sondern passe auch in den städtischen Haushaltsansatz von 1,6 Mio. Euro.Zudem merkt Becker an, dass dem Preisgericht keine Kostenschätzung des Siegerentwurfs vorgelegen hätte.

Auch das Verhältnis der Verkehrsflächen zu den Nutzflächen habe er besser gelöst: bei fast gleicher Nutzfläche käme seine Lösung mit rund 90 % weniger Verkehrsfläche aus. Ein weiteres Kriterium, vor allem für die Betriebs- und Unterhaltungskosten, seien kleinere Dachflächen und eine optimierte energetische Ausrichtung, die seinen Entwurf kennzeichnen würden. Zwar räumt Becker ein, dass das von ihm vorgeschlagene gering geneigte Dach (Pultdach mit 18 Grad Neigung) nicht mit den Vorgaben des Bebauungsplanes übereinstimmen würde. Dieser sei allerdings 41 Jahre alt und könne insbesondere mit Hinblick auf die passive Nutzung der Sonnenwärme mit der vorgegebenen Dachneigung zwischen 42 und 50 Grad nur schlecht als baurechtlicher Rahmen dienen.

Unterm Strich versteht Becker nicht, dass sein Entwurf trotz ansonsten erfüllter Vorgaben und mit den besseren Kenndaten bei Bau- und Unterhaltungskosten „nur“ eine Anerkennung“ erhielt. Dabei habe das Preisgericht gemäß Protokoll notiert: „Die Qualität des Entwurfes liegen in der der internen Organisation und der Zuordnung. Galerien, Belichtungen durch senkrechte Verglasungen unterhalb der Pultdachflächen bieten reizvolle Raumqualitäten. Die Grundrissorganisation und die Flächenverteilung sind überzeugend“.

Dem Siegerentwurf attestiert das Preisgericht „Durch die Organisation des Grundrisses und eine klar definierte Wegeführung ist das Gebäude intuitiv zu verstehen“. Der Entwurf zeige ein „sympathisches Gebäude mit unaufgeregter Fassade und einer subtilen Interpretation der Forderung geneigte Dachflächen". Es füge sich „ohne erkennbare Anstrengung in das heterogene Umfeld, bietet jedoch die Chance gute Erinnerbarkeit und auf eine attraktive Adressbildung“.

Dem Entwurf von Christoph Becker bescheinigt das Gremium aus architektonischer Sicht: „Die Baumasse stört im heterogenen Umfeld nicht, das Gebäude wirkt allerdings – bei aller Vertrautheit dieses Typus – zu beliebig und unentschlossen.“ Becker, nach dessen Plänen in den letzten Jahren zahlreiche Gebäude nicht nur im Emsland entstanden, fühlt sich nicht als Verlierer. Er fühlt sich ungerecht behandelt. Dies vor allem vom Architektenkollegen Schopmeyer aus Münster. Der hatte Becker bei der Präsentation im Kindergarten Erika direkt angesprochen mit: „Daher möchte ich diesem Kollegen zurufen, dass er das bitte heute und in Zukunft so halten soll wie gestern die holländischen Nachbarn nach dem Länderspiel, die haben sich als fairer Verlier erwiesen.“

Die Niederländer hatten nach einhelliger Expertenmeinung aber auch schlechter gespielt als die Deutsche Mannschaft.

Seitens der Stadt Haren wurden die erhobenen Vorwürfe inzwischen zurückgewiesen. Das Verfahren sei korrekt verlaufen. Dies habe auch die Architektenkammer Niedersachsen bestätigt.